Direkt zum Inhalt
Eine saubere Lösung

Eine saubere Lösung

Mit der RoadPump Plus hat die Vogelsang GmbH eine zukunftsweisende Lösung für die Abwasserentsorgung von Reisebussen entwickelt. Premiere feierte das System im April 2017 auf dem Total Autohof Rosenow in Kiel.

Es stinkt zum Himmel: Die Abwasserentsorgung von Reisebussen ist europaweit mehr schlecht als recht geregelt, und Deutschland dabei alles andere als ein Saubermann. Während z.B. in Italien praktisch jede zweite Raststätte wenigstens mit einer Entsorgungsstation für die Hinterlassenschaften der Busgäste im WC bzw. Abwassertank ausgestattet ist, verfügen hierzulande viele Autohöfe, Rast- und Tankstätten noch nicht einmal darüber. Folge: Viele Reisebusfahrer greifen notgedrungen kurzerhand zum illegitimen Ablassen des Tankinhalts in dunklen Ecken oder sogar während der Fahrt. Und selbst wenn eine Entsorgungsstation angesteuert werden kann, ist das in der Regel nicht unbedingt eine hygienische Sache, sondern lediglich ein Loch im Boden mit einem Gitter darüber.
Soweit die unschöne Gegenwart. Aber Abhilfe naht. Denn ein Unternehmen aus Niedersachsen hat sich aufgemacht, diese unhaltbaren Zustände künftig zu beseitigen. Seit vergangenem Jahr bietet die Vogelsang GmbH aus Essen (Oldenburg) mit der Vakuumabsauganlage RoadPump Plus eine saubere Lösung nicht nur für die Abwasserent-, sondern auch Frischwasserversorgung von Reisebussen an. Doch wie funktioniert das System?

Kompakte Anlagen

Kompakte Anlage - RoadPump PlusWie eine Zapfsäule wird die RoadPump Plus am vorgesehenen Haltepunkt des Busses aufgestellt, idealerweise an einer Tankstelle, beispielsweise auf einem Autohof. Auf diese Weise kann der Fahrer Tank- und Entsorgungsvorgang mit einem Stopp erledigen, und die Station kann von links und rechts angefahren werden. In ihrem unteren Teil des wetterfesten Gehäuses sind neben Anschlüssen für Trink-, Spül- und Abwasser die von Vogelsang entwickelte Drehkolbenpumpe, Schlauchhaspeln für Trink- und Spülwasser, ein Behälter für Brauchwasser und ein Systemtrenner. Darüber platziert ist ein Kasten mit u.a. Bedienpanel und Bezahlsystem. Mit 1.670 mm Länge, 800 mm Breite und 2.000 mm Höhe besitzt die RoadPump Plus kompakte Maße. Auf der Querseite lässt sich platzsparend der Abwasserauffangwagen CollectingMax einschieben. Alle Teile, die für das Abziehen des Fäkaltankinhalts und die Versorgung des Busses mit Frischwasser benötigt werden, sind im Gehäuse aufbewahrt und elektromechanisch verriegelt, so dass möglicher Vandalismus oder Diebstahl grundsätzlich ausgeschlossen sind.

Zwei Varianten der ­Entsorgung

Die RoadPump Plus bietet zwei Möglichkeiten zur Abwasserentsorgung an. Eine bisherigen Verfahren ähnliche Methode ist der CollectingMax. Der Trolleywagen mit einer großen Tropfschale wird über ein einfach anzuschließendes Schlauchsystem mit der RoadPump Plus verbunden und dann einfach unter den Auslauf für Toilettenabwässer am Busboden geschoben. Mit Hilfe der Drehkolbenpumpe im Gehäuse der Station werden Abwasser und Fäkalien dann hygienisch in die Kanalisation entsorgt. Zu den Vorteilen des CollectingMax zählen seine einfache Bedienbarkeit und Kompatibilität auf alle Bustypen.

Deutlich smarter und geruchsärmer ist jedoch die Lösung, die das niedersächsische Unternehmen für die Nutzung in der Zukunft anstrebt und die Standards setzen soll: der BusPlug. Dabei handelt es sich um eine von Vogelsang entwickelte und patentierte Saugdüse für den Einbau in den Abwassertanks der Reisebusse. Bis auf wenige Sonderfälle lässt sie sich ohne Umbauten nachrüsten. Über einen Kamlock-Anschluss am Schlauchende wird der BusPlug mit der RoadPump-Plus-Extraktionseinheit verbunden und das Abwasser zügig in die Kanalisation gepumpt.

Erklärung per Video

Die Bedienung der RoadPump Plus wird den Fahrern über einen Videofilm auf dem Monitor am Bedienpanel anschaulich erklärt. Bedienfehler sind somit weitestgehend ausgeschlossen. Auf fünf bis maximal zehn Minuten reduziert sich mit ein wenig Übung der komplette Vorgang mit Abwasserentsorgung und Frischwasserbefüllung.
Hinsichtlich der Technik und der Abläufe hat die Vogelsang GmbH mit der RoadPump Plus sicherlich die wesentlichen Voraussetzungen für künftige reibungslose und hygienische Prozeduren geschaffen. Die nächsten größeren Hürden sind die Bekanntmachung des Systems in der Branche und der Vertrieb. Zunächst müssen Kunden überzeugt werden, in diese saubere Lösung zu investieren. Denn mit rund 40.000 Euro für die oberirdische Anlage und weiteren, allerdings deutlich geringeren Ausgaben für unterirdische Stromleitungen und Abwasserkanäle muss der Kunde rechnen. Bei neueren Autohöfen oder Tankstellen dürften die Aufwendungen für die Tiefbauarbeiten dabei immer geringer ausfallen als bei Bestandsanlagen. Ziel von Vogelsang ist es natürlich, die beste Variante des Systems, nämlich mit BusPlug, zu etablieren. Hierzu laufen laut Vogelsang intensive Gespräche mit Busherstellern, Fernbusanbietern und Autohöfen. Große Hoffnung setzt man in seinem Hause auf eine Kooperation mit FlixBus. Europas Marktführer bei Fernbuslinien hat bislang bereits fünf Busse mit dem BusPlug ausgerüstet, so Christina Schubert, Manager Operative Entwicklung bei FlixBus.

Premiere in Kiel

Thorsten Schlüter (r.) mit Mitarbeitern von FlixBus und VogelsangDass das Vogelsang-System reibungslos funktioniert, beweist es Tag für Tag auf dem Total Autohof Rosenow in Kiel, wo es im April 2017 Premiere feierte. Im Schnitt drei bis fünf Fern- und Reisebusse steuern die dortige, neben den Dieselzapfsäulen platzierte RoadPump-Plus-Anlage täglich an. Thorsten Schlüter, Eigentümer und Betreiber des Autohofs, ist nach einem Jahr mehr denn je überzeugt von ihr. „Das System ist super, funktioniert mittlerweile problemlos und wird immer besser, was das Handling angeht. Denn kleine Kinderkrankheiten haben wir mit unserem Partner Vogelsang sehr schnell abgestellt.“ Schlüter sieht die RoadPump Plus als Investition in die Zukunft. „Sie wird sich durchsetzen, davon bin ich überzeugt. In drei bis fünf Jahren könnte sie Standard sein.“ Für seinen Autohof sieht er bereits erste Früchte der Investition: „Die Zahl der Anfragen von Reisebusunternehmen, die bei uns gerne ihre Busse entsorgen würden, steigt beständig. Das sorgt bei uns für ein willkommenes Zusatzgeschäft.“ Solange jedoch nur wenige Fahrzeuge mit dem BusPlug versehen seien, würde allerdings „vorwiegend der CollectingMax genutzt“. Für ihn und seinen relativ jungen Autohof sei der aber auf jeden Fall die bessere Alternative gegenüber herkömmlichen Möglichkeiten der Abwasserentsorgung. „Unsere Anlage ist flächendeckend mit LED-Lichttechnik ausgestattet, hell, sauber und gepflegt. Da passt eine Schmuddelecke einfach nicht dazu“, betont er und spannt damit den Bogen zum eingangs beschriebenen Entsorgungsalltag.  

Text: Claus Bünnagel / Fotos: Hugo Vogelsang Maschinenbau GmbH

Deutsch